Wandern in der Moselregion: Hier erwacht Eisenbahngeschichte zum Leben

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Auch abgesehen von 1600 Sonnenstunden pro Jahr spricht einiges für Urlaub in der Moselregion – zum Beispiel die Vielfalt: Kultur trifft an dem mehr als 500 Kilometer langen Fluss auf Landwirtschaft und Geschichte. Mittelalterliche Schlösser laden mitten im Weinland Mosel zum Erkunden ein. Wie Tore zu anderen Welten erheben sich rund um den sanft mäandernden Fluss römische Relikte. Für Naturliebhaber sind Weitwanderwege wie der 365 Kilometer lange Moselsteig besondere Highlights. Auch unerwartete Attraktionen gibt es an. Eine davon ist die Moselstrecke der historischen Kanonenbahn.

Mehr als 800 Kilometer ist sie lang und mittlerweile über 150 Jahre alt. Die in den 1870er Jahren erbaute Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Metz im ehemaligen Elsass-Lothringen. Heutzutage kann man aus Städten wie Colmar sogar per ICE in die Moselregion sowie die deutsche Hauptstadt reisen. Das war nicht immer so. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde Elsass-Lothringen Teil des Deutschen Kaiserreichs. Mit der militärstrategischen Kanonenbahnstrecke wurde das neue Territorium an die Reichsstadt angebunden. Die insgesamt 112 Kilometer lange Moselstrecke war einer von fünf Teilabschnitten und ist heutzutage nur in Resten erhalten. Gemeinsam mit den Moselgemeinden Alf, Briedel und Bullay haben Reil, Pünderich und Zell entlang der früheren Strecke den eisenbahnhistorischen Kulturweg Kanonenbahn ins Leben gerufen: einen der sehenswertesten Themenwanderwege in der Moselregion.

Themenwanderweg Kanonenbahn: Unterwegs auf der Moselstrecke

Wie ein Spielzeugland sieht die malerische Eisenbahnlandschaft entlang der Kanonenbahn aus. Insgesamt dauert die Themenwanderung auf der historischen Strecke durch eines der weltweit schönsten Flusstäler etwa fünf Stunden und ist über 20 Kilometer lang. Als Startpunkt gilt der Umweltbahnhof Bullay. Bebilderte Informationstafeln erzählen unterwegs die faszinierende Geschichte der Bahnlinie. Architektonisch, künstlerisch und technologisch bedeutsame Bauwerke warten entlang der Strecke. Darunter vor allem Brücken, beeindruckende Viadukte und historische Tunnel. Zwei der faszinierendsten Attraktionen sind die Doppelstockbrücke Bullay mit zwei übereinander angeordneten Fahrbahnen und das Hangviadukt Pünderich. Letzteres ist deutschlandweit einzigartig und misst insgesamt 786 Meter. 1880 wurde es aus Bruchsteinen des regionalen Steinbruchs und Nenniger Kalk erbaut. Während die Backsteine aus einer Merler Ziegelei stammten, kam der Sand direkt aus der Mosel. Noch immer befahren Züge die 97 Viaduktbögen. Zum Beispiel die regelmäßig verkehrende Moselweinbahn. Letztere eröffnet zwischen Bullay und Traben-Trarbach atemberaubenden Ausblicke auf steile Weinterrassen und idyllische Weinorte an der mäandernden Mosel.

Zusatztipp für Eisenbahnfans: Zwischen Koblenz und Trier verkehren gelegentlich Dampflok-Sonderzüge auf der ehemaligen Moselstrecke. Eine Alternative für alle, die sich den mittelschweren Weg nicht erwandern wollen oder können.

Orte entlang der Kanonenbahn: Wo Zwischenstopps lohnen

In Teilabschnitten lässt sich der Kanonenbahnweg umso besser bewandern. Denn dabei hat man genügend Zeit, die sehenswertesten Orte entlang der Strecke zu erkunden. Darunter vor allem

  • Pünderich, wo auf Besucher neben Fähren und Eisenbahn-Romantik ein historischer Ortskern aus Fachwerkhäusern wartet. Attraktionen wie die barocke Maria-Himmelfahrts-Kirche und das alte Backhaus erzählen aus der Vergangenheit des kleinen Ortes. Malerisch ist es an der Moselpromenade oder bei Wanderungen zu idyllischen Aussichtspunkten wie dem Reiler Hals. Ein besonderes Highlight ist die Einkehrstation, die in bester Lage oberhalb des Hangviaduktes thront. Mit der Fähre gelangt man aus der Stadt zu den gewundenen Pfaden der Marienburger Weinberge, wo ein Weinlehrpfad zum ehemaligen Augustinerinnenkloster hinauf führt. Sondertipp: Vom weniger als einen Kilometer entfernten Prinzenkopfturm aus sieht man bis in die Hunsrückhöhen und Eifel.
  • Zell, dessen historischer Stadtkern Mittelalter-Romantik verbreitet. Unbedingt sehenswert sind das spätgotische Kurfürstenschloss und der runde Turm der alten Stadtbefestigung. Am malerischsten ist es auch hier an der Moselpromenade. Als Etappenziel des Weitwanderwegs Moselsteig hat Zell besonders für Aktivurlauber einiges zu bieten. Unter anderem den abenteuerlichen Collis Steilpfad – einen Klettersteig, der über schmale Pfade und Trittbügel über die Weinbergsmauern führt. Weniger trittsichere Menschen können den Turm am Ende des Steigs von der Altstadt aus auch über den sieben Kilometer langen Collis-Weg erreichen.
  • Trier, wo römische Baudenkmäler wie Pilze aus dem Boden schießen. Neben den Kaiserthermen aus dem vierten Jahrhundert sind das Amphitheater und die Basiliken der Stadt besonders sehenswert. Auch Höhlen und mittelalterliche Hochburgen wie Eltz machen den Besuch zu einer abwechslungsreichen Erfahrung.

Schon die genannten drei Zwischenstopps machen die ehemalige Moselstrecke für Urlauber in der Region unbedingt erlebenswert. Ganz egal, ob sie sich zu Fuß, mit dem Rad, per Fähre oder in der Bahn auf die Reise begeben. Übrigens sind alle genannten Orte unter Urlaubern auch als Weinorte bekannt – Weinlehrpfade und Besichtigungen traditioneller Weingüter gehören an der Mosel zu Reisen einfach immer dazu. Am aufregendsten wird es zur Zeit der Weinfeste. Vor allem Pünderich bietet in dieser Hinsicht interessante Angebote.